
Abbiategrasso/Mailand 1903
- Vaciago 1978
Antonio Calderara bricht zugunsten der Malerei nach einer
Einzelausstellung, die bereits 1923 stattfindet, im Jahr 1925 sein zwei
Jahre zuvor am Politechnikum in Mailand begonnenes Ingenieurstudium ab.
Als Autodidakt ist Calderara ein Maler, der seit den 30er bis in die
späten 50er Jahre viel experimentiert und so in zeitlich kurzer Abfolge
verschiedene Stile durchläuft. Neben, mit dem meditativ verhaltenen
Stil Morandis assoziativ verbundenen Stilleben stehen noch dem
Impressionismus nahe Landschaften, Figurenbilder und Portraits,
letztere in Anlehnung an den Stil der Neuen Sachlichkeit. Auf der Suche
nach einem endgültigen adäquaten künstlerischen Ausdruck wird die
milchige Landschaft des Orta-Sees, in der Calderara über Jahrzehnte
wohnt und die ihn fasziniert, sein favorisiertes Sujet. Einen immer
größeren Abstraktionsgrad erreichend, löst sich Calderara in der Reihe
der Orta-See-Arbeiten schließlich ganz von Landschaft und Architektur,
um sich einer gegenstandslosen Welt zu öffnen, in der das greifbar
Reale nur mehr als Erinnerung vorhanden ist. Seinem eigenem Empfinden
nach malt der Künstler 1959 sein erstes, rein abstraktes Bild. Von nun
an entwickelt er einen Albers nahestehenden, zartfarbigen und
abstrakten Stil. Angefangen beim Prinzip des Goldenen Schnitts sind
dabei Zahlen- und Proportionsverhältnisse für Calderara von großer
Bedeutung. Für seine geometrische Vorgehensweise prägt der Künstler den
Begriff des "spazio mentale", des "geistigen Raums". Von den Vertretern
des Konstruktivismus oder der Konkreten Kunst unterscheidet sich
Calderara insofern, als er bei aller Systematik keinen streng radikalen
Bildkonzepten oder Farbsystemen folgt, sondern in seiner Vorgehensweise
eher intuitiv agiert. Über seine künstlerische Intention sagt Calderara
selbst: "Ich möchte das Nichts malen, das das Ganze ist, das Schweigen,
das Licht, Maß, Ordnung, Harmonie. Das Unendliche."
Antonio Calderara lebt bis zu seinem Tod im Jahr 1978 abwechselnd in
Mailand und Vaciago.